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Weihnachtserzählung aus dem 13. Jahrhundert





Eine wunderschöne alte Weihnachtserzählung aus dem 13. Jahrhundert

Das fließende Licht der Gottheit erzählt von:

Sankt Mariens Gebet - von Gabriels Licht - von des Kindes
Tuch - wovon die Milch kam - des Kindes Opfer.




Das fließende Licht der Gottheit


Von Sankt Mariens Gebet - Von Gabriels Licht - Von des Kindes
Tuch - Wovon die Milch kam - Des Kindes Opfer.


Ich sah eine Magd in ihrem Gebete, ihr Leib war geneigt zu der Erde, und ihr Geist hatte sich aufgerichtet der ewigen Gottheit entgegen.

Diese Jungfrau zog unsern Herrn hernieder mit der süßen Stimme ihrer Seele.Und sie sprach in hrem Gebete, da sie war alleine, also: Herr Gott, ich freue mich des, daß du kommen willst in also edler Weise, daß eine Magd deine Mutter sein soll. Herr, da will ich mit helfen mit meiner Keuchheit und mit allem dem, das ich von dir habe. Da trat der Engel Gabriel hernieder in einem himmlischen Lichte. Das Licht umfing die Jungfrau um und um, und der Engel hatte also lichtes Gewand, daß ich solch Licht auf Erden nirgend finden kann. Da sie das Licht sah, mit leiblichen Augen, da stand sie auf und erschrak. Da sie den Engel ansah, da fand sie das Gleichnis ihrer Keuschheit in seinem Antlitz. Da stand sie mit großer Zucht und neigte ihre Ohren und richtete ihre Sinne auf. Da grüßte sie der Engel und kündete ihr Gottes Wille. Seine Worte, sie waren angenehm ihrem Herzen, und ihre Sinne wurden voll, und ihre Seele ward feurig. Jedoch fragte sie nach der Erklärung, dazu bewog sie magdliche Scham und göttliche Liebe. Da sie berichtet war, so tt sie ihr Herze auf in gutem Willen mit ller Macht. Da kniete sie nieder und sprach: Ich gebe mich Gott zu Dienste nach deinen Worten.

Da trat die ganze heilige Dreifaltigkeit mit der Gewalt der Gottheit und mit dem guten Willen der Menschheit und mit der edlen Schönheit des heiligen Geistes durch den ganzen Leib ihres Magdtums in die feurige Seele ihres guten Willens und setzte sich in das offene Herz ihres allereinsten Fleisches und vereinte sich mit allem dem, das er in ihr fand, also dass ihr Fleisch sein Fleisch ward, also dass er als vollkommenes Kind wuchs in ihrem Leibe und also, dass sie wahre Mutter ward seines Fleisches und eine unversehrte Magd blieb. Je länger sie ihn trug, je lichter, schöner und weiser ward sie. Da stand sie auf und sprach: Herr, Vater, ich lobe dich, denn du hast mich groß gemacht, und mein Geschlecht soll groß werden im Himmel und auf Erden.

Da die Zeit herankam, da andere Frauen traurig sind und beschwert gehen, da war Maria leichtfüßig und froh. Ihr Leib war doch erfüllt davon, denn sie hatte darin umfangen den wohlgestalten Gottessohn. Maria wußte die Zeit nicht voraus, wann Gott wollte von ihr geboren werden, erst bis sie ihn in ihrem Schoße sah auf der Straße und in der Nacht zu Bethlehem in der fremden Stadt, da sie selber war ein armer ungeherbergter Gast.

Der allmächtige Gott mit seiner Weisheit, der ewige Sohn mit seiner menschlichen Wahrheit, der heilige Geist mit seiner lieblichen Süßigkeit ging durch die ganze Wand des Leibes Mariens mit schwebender Wonne ohne alle Mühsal. Das war also schnell geschehen, als die Sonne ihren Schein gibt auf den süßen Tau in minniglicher Ruhe. Da Maria ihr schönes Kind ansah, da neigte sie ihr Haupt zu senem Antlitz und sprach: Seist mir willkommen, mein unschuldiges Kind und mein gewaltiger Herr, dem alle Dinge eigen sind!

Maria nahm von Josephs Sattel ein hartes Tuch, das der Esel auf seinem Rücken unter dem Sattel trug, und dazu das oberste Teil on ihrem Hemde, darunter sie unsern Herrn getragen hatte. Das andere Teil band sie wieder um ihren Leib zusammen. In dieses Tuch wand die liebliche Jungfrau den großen Heiland und legte ihn in die Krippe. Da weinte er allzuhand als ein neugeborenes Kind. Denn dieweil die Kinder sprachlos sind, so weinen sie niemals ohne rechte Not. Also tat unser Herren als er wider seine edle Art in einem Viehstall also hart gebettet war, wegen der bösen Sünde. Da beweinte er alles Menschengeschlecht, da verbarg er alle seine Wonne und alle seine Gewalt. Da ward die Jungfrau betrübet, und das Kind ward hungerig und kalt. Da mußte die Mutter ihren Sohn stillen, das war seines Vater Willen und des heiligen Geistes hohe Lust. Da neigte sich die Jungfrau mit mütterlicher Liebe in magdlicher Zucht zu ihrem gepeinigten Kinde und bot ihm ihre kindliche Brust.

Höret nun Wunder: Die leuchtende Blüte ihrer schönen Augen und die geistliche Schöne ihres magdlichen Antlitzes und die fließende Süßigkeit ihres reinen Herzens und die wonniglichen Spiele ihrer edlen Seele - diese vier Dinge zogen sich zusammen nach des Vaters Willen und nach des Sohnes Notdurft und nach des heiligen Geistes hoher Lust in ihrer magdlichen Brust. Da floß die süße Milch heraus von ihrem reinen Herzen ohne alle Schmerzen. Da sog das Kind menschlich, und seine Mutter freute sich heiliglich. Die Engel sangen Gott einen Lobgesang. Die Hirten kamen, sie suchten und fanden unser wahres Lösepfand.

Da fragte ich Marien, wo Joseph wäre. Da sprach sie, er ist in die Stadt gegangen und kauft uns kleine Fische und einfaches Brot. Und Wasser tranken sie auch.
Da sprach ich: Eia, Frau, du solltest essen das allerschönste Brot und trinken den alleredelsten Wein. Nein, sprach sie, das ist reicher Leute Speise, solches haben wir nicht in diesem armen Leben.
Da der fremde Stern erschien, da kam Satanas zu Bethlehem und folgte den drei Königen viel geschwinde nach, und er sah das Kind viel arglich an. Da man dem Kind mit dem hohen Opfer aber große Ehre bot, da kamen Satanas Gedanken in großer Not.
Ich fragte Mariam, wohin sie das Opfer der Könige hätte getan, daß sie sich nicht kaufte ein Opferlamm? Da sprach sie: die heilige milde fließende Mildigkeit und die notdürftige Barmherzigkeit und die Minne williger Armut, die haben mir den Schatz benommen. Mein Opferlamm war Jesus Christus, des allmächtigen Gottes Sohn, der aus meinem Herzen war geboren, und dem zu Ehren nach seines Vaters Gebote alle die unbefleckten Lämmer je geopfert und gebracht werden nach seines Vaters Meinung, der ist mein wahres Opferlamm.Ich sollte anders keines han. Das Opfer, das meinem Kinde ward gebracht, damit hab ich alle die bedacht, die ich finden konnte als wahrlich nothaft. Das waren verarmte Weisen und reine Jungfrauen, die kamen damit zur Ehe, daß man sie nicht durfte steinigen; und dazu die fremden Siechen und die langjährigen Alten, die sollten es genießen und denen hatte es Gott behalten.

Maria nähte ihrem Kinde Jesus einen Rock mit also gefügter Naht, wenn ihm der Rock würde kurz und enge, daß sie in möchte weitern und längern. Der Rock war braun fahl von hartem, gezwirntem Garne. Joseph war armer Leute Zimmermann, also daß er etliche Pfennig zu ihrer Notdurft gewann. Maria die nähte und spann, daß sie ihnen dreien Kleider gewann . . .


Mechtild von Magdeburg, 13. Jahrhundert. Aus dem mittelalterlichen Deutsch übersetzt von Karl Josef Friedrich.

( Das deutsche Weihnachtsbüchlein 1919)






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