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Weihnachtsbrief





Man freut sich zwar über Weihnachtsbriefe oder Weihnachtskarten aber im Grunde genommen auch wieder nicht, wenn sie von den Menschen verfasst wurden, die man am Weihnachtsabend viel lieber um sich haben möchte.
Hier stelle ich euch zum Lesen vier Weihnachtsbriefe von Friedrich Hebbels zur Verfügung.

Wenn dies natürlich nicht möglich ist, sind solche Briefe wenigstens Trostpflaster für die Seelchen.



Vier Weihnachten Friedrich Hebbels


Weihnachtsabend 1839

Es ist 4 Uhr nachmittags, der Regen saust, Sonnenstrahlen fallen hindurch, ein Frühlingswetter. Ich komme eben aus der Stadt zurück und habe mir Novalis' Schriften geholt, Kaffee steht auf meinem Tisch, die aufgeschlagene Bibel und meine Judith liegen vor mir, und seit drei Jahren das ertemal wieder werd' ich diesen Abend auf eine schöne Weise feiern. Ich habe ein Gefühl, als hätt' ich ein Recht zur Freude, und dann bleibt die Freude selbst nicht aus. In meiner Kammer stehen die Puppen, Nüsse usw. Für die beiden kleinen Mädchen im Hause.
Ein paar Stunden später. Mein eigner Geist hat mir noch schnell ein schönes Weihnachtsgeschenk gemacht, eine Szene an der Judith.




2. Weihnachten

27. Dezember 1841.

Die Weihnachtstage habe ich bei ihr, die ich nicht mehr zu nennen brauche, wieder schön verlebt. Sie hat mir einen prächtigen Schal geschenkt, außerdem noch gestickte Schuhe, eine feine Geldbörse und, was mich immer tief in meine Kinderzeit zurückversetzt - nicht, weil ich es damals hatte, sondern weil es mir fehlte - Nüsse, Kuchen und Äpfel. Ich bin Gott unendlich dankbar für jeden frohen Tag, den wir in Freude und Heiterkeit miteinander verbringen. Am ersten Weihnachtstag trug ich das Lustspiel auf die Post. Sei er, ohne dessen Segen die Kraft selbst keine Kraft mehr ist, dem Werke günstig!




3. Weihnachten

24. Dezember 1843.


Heute ist Weihnachtsabend, heute morgen wußte ich es noch nicht, erst als mein Wäscher kam und von den vielen Geschneken sprach, die an diesem Tage in "Allemagne" wo der Mann mit Napoleon gewesen ist, gemacht würden, erfuhr ich's. Da habe ich denn ordentlich zu Mittag gegessen und mir abends im Palais Royal einen Goethe zu 30 fl. Gekauft. Ob ich recht getan? Ich denke. Haben muß ich durchaus mehr Bücher und hier besonders, wo mir aller Umgang fehlt, auch habe ich meine eigentliche Kasse nicht angegriffen, sondern das für den Prolog zum Diamant eingelaufene Honorar dazu verwendet. Als ich mit meinem Schatz, der ziemlich schwer zu tragen war und den ich mir doch nicht zuschicken lassen wollte, weil ich ihn dann erst morgen erhalten hätte, zu Hause kam, fand ich zwei Briefe vor, einen längst erwarteten, überaus liebevollen von dem alten herrlichen Oehlenschläger, der mich über vieles beruhigt, und einen zweiten von Elise, den ich erst beim Zubettgehen lesen will. Gott gebe ihr den Frieden, dessen ihre arme Seele bedarf!
Abends 11.30 Uhr. Bis 10 Uhr war ich im Café de Paris mit Bamberg, dann ging ich zu Hause, kaufte mir aber zuvor, da ich den Weihnachtsabend doch auszeichnen mußte, für 3 Sous Galette, eine Art von Blätterbackwerk, das (ich schreibe diese deinetwegen nieder, teure Elise) ungefähr so schmeckt, wie ein gut bereiteter deutscher Pfannkuchen, und das ich ganz in der Nähe meines Hauses, eher heiß, als warm, bekomme, in einer Butike, deren Treiben lustig anzusehen ist; zwei Mädchen sind immerwährend, vom frühen Morgen bis nach Mitternacht mit dem Vorschneiden der Galetten beschäftigt, die Kunden bilden förmlich Reihen vor der Bude, wie vor den Theatern, und es sind nicht etwar bloß gamins, sondern höchst anständige Damen und Herren, hinten ist die Backstube, wo das Feuer nie ausgeht, wo eine Menge Gesellen beständig für neuen Vorrat sorgen und, sobald eins der Mädchen mit ihrem Messer auf den Tisch klopft, rasch einen dampfenden Kuchen herbeitragen. Nun verfügte ich mich mit meinem Abendessen auf mein Zimmer, nahm Elisens Brief aus meiner Brusttasche hervor, küßte ihn nocheinmal, erbrach ihn und fing an zu lesen, wärend ich aß. Der Brief machte einen wohltuenden und beruhigenden Eindruck auf mich, er war in einer ungleich gefaßteren Stimmung geschrieben, wie der zuletzt empfangene, und es tröstet mich besonders, daß er zum größten Teil schon vor Eingang des meinigen abgefaßt, also nicht als eine, vielleicht erzwungene, Wirkung des letzteren zu betrachten war.




4. Weihnachten

25. Dezember 1849.


Gestern wurde ich am Weihnachtsabend durch ein allerliebstes Bild überrascht. Wie ich in das erleuchtete Zimmer zu dem prachtvollen Tannenbaum hineingerufen wurde, tappte mir mein Töchterlein in der Gestalt eines Braunschweiger Bauernmädchens, wie sie dort auf dem Markt gehen, entgegen. Schwarzes Hütchen, nur den Hinterkopf deckend, mit langen roten Bändern; rotes Kleid, kurz geschürzt; Zwickelstrümpfe nebst Lederschuhen; eine geflochtene Kiepe auf dem Rücken, angefüllt mit Nüssen und Kuchen für mich. Das alles hatte meine liebe Frau an den Abenden gemacht, wenn ich nicht zu Hause und sie nicht auf der Bühne beschäftigt war; ich hatte nicht das Geringste davon bemerkt. Das närrische kleine Ding wollte die Kiepe den ganzen Abend nicht wieder ablegen, es saß damit auf dem Stuhl und aß uns trank. Des Morgens holt sie immer meine Tasse, wenn ich noch im Bett liegend ausgetrunken habe; heute morgen kam sie ebenfalls im Häubchen ihrer Mutter, blieb aber vor dem Baum bewundernd stehen, den ich durch die Glastüre erblickte, küßte das darin hängende Konfekt, rief einmal über das andere: schön! schön!

( Das deutsche Weihnachtsbüchlein 1919)






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