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Endlich ist Dezember, bald kommt auch der Nikolaus und der
Rupprecht in das Haus. Viele Kinder erwarten die beide mit Freude. Andere
widerum, welche wohl nicht so dolle der Mama gehorcht haben, mit ein bissel
Unbehagen. Der 6. Dezember ist einfach der Tag, an dem wohl viele Kinder hier
in Deutschland, sehnsüchtig auf das Dämmern des Tages warten. Wann
klopft der Nikolaus endlich an unsere Türe? Hoffentlich zeigt mir der
Rupprecht nicht seine Rute! Wer weiß, was ich in diesem Jahr aus dem
großen Nikolaussack bekomme? Vergisst mich der Nikolaus auch nicht?
Diese und andere Fragen und Befürchtungen stehen den Kindern
regelrecht ins Gesicht geschrieben. Und die Hauptfrage aller Fragen, die wohl
die meisten Mütter hier imLande beantworten müssen - Wann kommt er
denn endlich??? Um euch das Warten etwas zu verkürzen habe ich euch
hier einige Nikolaustexte zur Verfügung gestellt. Einige sind
antiquarischen Büchern entnommen, andere von Emilia.
Viel
Freude beim Lesen |
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Der Traum
Der Traum
Silvesterabend in der Kinderzeit. Sankt Niklaus schritt von Haus zu Haus,
und weit Vernahm man seines Glöckleins hell Getöne. Er trat
herein, trug in der Hand das schöne Vom Kerzenlicht umstrahlte
Wundertännchen. ,,Sagt euren Spruch, ihr Zöpfe da und
Männchen," Fuhr er aus seinem Reistenbart uns an, ,,Habt ihr dies
Jahr auch wohl und recht getan? Nie aus dem Schrank den Honigtopf
gezogen? Die Wahrheit nie in Angst nach links gebogen? Aha! ich seh's
am Augenniederschlag, Es steht nicht, wie man's wünscht an diesem
Tag!" So rief er laut und schwang den Haselstecken Hoch über uns
zu allgemeinem Schrecken. Die Mutter stand dabei, und war er wild
Und rauh, so war sie milder noch als mild, Und ihre Augen besser als die
Güte. ,,Versprech' ein jedes, daß es besser hüte Im
neuen Jahr die Finger und die Zung', So wird euch schonen seines Steckens
Schwung." Sie sprach's, wir nickten ,,ja", und Bruder Klaus Tat einen
Sprung und stampfte aus dem Haus. Hell war die Freude nun an Licht und
Kerzen, An Äpfeln, Nüssen und den Zuckerherzen, Die festlich
prangten an dem schmucken Baum. Und als ich lag in Kammer, Schlaf und
Traum, War ich noch immer von dem Glanz umflutet: Ich sah uns all
versammelt, frohgemutet, Ein jedes hielt ein Kerzlein in der Hand Und
schwang im Kreis den schwachen Flackerbrand, Erst sacht, dann wild, bis es
so weit gekommen, Daß alle Kerzen loschen und verglommen. Nur die
der Mutter brannte ruhig fort. ,,Gib uns von deinem Licht!" Wir schrien das
Wort, Und gleich entstand ein wildes Händerecken, Die toten
Dochten wieder anzustecken. So ging das Spiel, bis sich mein Traum
zerblies: Wir borgten Feuer und die Mutter lieh's, Und ihre Flamme,
statt sich zu verzehren, Schien durch ein Wunder spendend sich zu
mehren. Da rief ich: ,,Mütterchen, du gibst und gibst, Wie
kommt's, daß du nicht längst ohn' Flamme bliebst?" Sie schwieg
und sann und lächelte nach innen. Von ihrem Licht sah ich ein
Tröpflein rinnen. Mir blieb der Traum, auch als die Kindheit
wich, Und ging mir immer durch den Sinn, wenn ich Die Mutterlieb'
mißbraucht im Unverstand Und sie nach jeder Prüfung
größer fand!
Jakob Boßhart
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