|
| |
Heiliger
Abend - Heilige Nacht |
|
| |
Das Jahr geht zur Neige und die Weihnachtszeit ist aufgeblüht. An
den Fenstern Weihnachtsschmuck in den Straßen leuchtende Weihnachtssterne
und eine wundervolle Weihnachtsbeleuchtung die uns den Weg in die vielen
Läden weist, in deren Auslagen die buntesten Weihnachtsträume liegen,
von Puppen, Eisenbahnen, Schaukelpferde über Goldringe, Halsketten und
Uhren bis hin zu Handwerkgeräte die, man mag es kaum glauben, auch zu
Weihnachten die Herzen der Handwerker höher schlagen lassen. Der
Weihnachtsmarkt mit Glühwein und anderen Heißgetränken,
verführen uns zum Innehalten, zum Plauschen mit Freunden oder Fremden.
Weihnachtszeit frohe Zeit - recht besinnlich sollte sie
sein!!
Aber dann ist es endlich soweit und der Heilige Abend steht vor
der Tür. Die Stimmern werden leiser, ja selbst der Straßenlärm
dämpft seine Stimme in der Heiligen Nacht. Um euch das Warten etwas zu
verkürzen habe ich euch hier einige Weihnachtstexte zur Verfügung
gestellt. Einige sind antiquarischen Büchern entnommen, andere von
Emilia.
Viel Freude beim Lesen |
|
| |
Eine
Weihnachtsstunde
Laß, Liebster, die Lampe noch
stehen und rücke mit mir zum Kamin, und laß in die Flammen
uns sehen und lauschen dem Zauber darin! Und lege dein Haupt ans
Herz mir und blicke nicht traurig drein, daß wir am Heiligen
Abend im Dunkeln sitzen! allein! Horch, wie im Ofen wispert
die Glut ihr heimlich Lied! schau, wie ein Lichterreigen über die
Diele zieht! Draus schwillt's wie ein Singen und Weben von
Märchenherrlichkeit, drin spielt's wie ein Schwingen und Schweben
von Träumen der Kinderzeit: als wir noch fromm gebetet zum
lieben Jesuchrist, der für uns arme Sünder vom Himmel kommen
ist, - als wir noch nicht verstanden, warum auf Golgatha ein
brechend Menschenauge einst mild zur Erde sah. Und denke der
großen Liebe, die treu bis in den Tod gerungen und gelitten
für all der Brüder Not! Und denke des großen
Glaubens, den Er zur Menschheit trug noch in der letzten Stunde, da
man ans Kreuz ihn schlug! Und blicke nicht trüb, mein
Liebster, daß Du noch ringst allein! und hoffe wie Er, daß
Einstens die Goldne Zeit wird sein! - - Nun sehe dein Auge ich
leuchten und strahlen Eigne Glut, nun richtet das Haupt dir wieder
empor der alte Mut. Du bist mein Stolzer, mein Starker! du
führst es Alles aus! Oh gründe und baue nur weiter an deinem
stolzen Haus! - Und übers Jahr ist's anders - neig' her dein
Ohr geschwind: da schmücken wir ein Bäumchen für ein
lieb Menschenkind.
Richard Dehmel
|
|
|
|